Annika Marte

 

Sie hat aus Behördenformularen Papierflieger fürs Krippenspiel gefaltet. Gottesdienste in Bewegung gebracht. Konfis auf Pilgerwege geschickt. Bewohner im Altenheim dazu gebracht, Halleluja zu rufen. Und sie hat der Gemeinde Farben geschenkt. Jetzt bricht Pfarrerin Annika Marte zu neuen Aufgaben auf, ihr Weg führt im September vom Dornbusch nach Bad Homburg, wie die Gedächtniskirchengemeinde dort jetzt mitgeteilt hat.

Annika Marte kam im August 2012 zum Dornbusch und wurde im Oktober ordiniert. Damals stellte Pröpstin Gabriele Scherle sie der Gemeinde als eine Pfarrerin vor, die auch gegen die Lieblosigkeit streitet. In einer von Gleichgültigkeit und Distanz geprägten Realität setzte sie schnell neue Akzente. Indem sie einfach nur hinschaute und Fragen stellte. Etwa die Frage:

Annika MarteWie oft bleiben wir bei dem stehen, was ist, auch wenn wir uns nach dem sehnen, was sein könnte? Das war in einer Predigt über die Hochzeit von Kana, am Tag der Gemeindeversammlung mit Blick auf die Wahl des Kirchenvorstands. Annika gehört nicht zu den Menschen, die stehen bleiben. Nach drei Jahren in der Dornbuschgemeinde, ihrer ersten Pfarrstelle nach der Vikarsausbildung, geht sie nun den nächsten Schritt.

Möge sie dieser auf einen guten Pfad führen! In einem Gottesdienst mit Pfadfindern hat sie einmal über Hindernisse auf unseren Wegen gesprochen, dass uns diese nicht verzagen können. Denn selbst die Klippen, die wir runter fallen, weil wir stolpern oder weil wir geschubst werden, oder was auch immer da passieren kann, die Krisen in unserem Leben, führen uns zu Vertrauen auf Gott, dass wir am Ende etwas Neues dazu lernen, schwimmen oder eine neue Zuversicht.

In ihren Gottesdiensten hat Annika Marte oft von der Ambivalenz in unserem Leben gesprochen, gleichzeitig oder in der Abfolge gegensätzlicher Erfahrungen, manchmal froh, manchmal traurig. Es sei immer beides in unserem Leben, das Schwere und Steinige und die Ungerechtigkeit - aber eben auch das Licht. Und in einem Gottesdienst im letzten Sommer hat sie der Gemeinde die große Hoffnung zugesprochen, dass es bei allem, was gleichzeitig da ist und was wir erleben, ein kleines bisschen mehr Licht gibt als Steine.

In der Zuwendung zu den Menschen in der Gemeinde hat Annika ihr eigenes Leuchten in das des Kirchenfensters eingefügt. Sie sprach von der Offenheit für Träume und Visionen, für Stimmen, die uns vielleicht manchmal begegnen oder auch quer kommen. Und fragte: Können wir die wahrnehmen und zulassen? Mit bislang am Dornbusch unerhörten Begriffen und der ihr eigenen poetischen Sprache beschrieb sie Bilder aus der Realität von Flüchtlingen, das Leben in Pflege- und Altenheimen, und das lebendige Gewusel im Kindergarten oder auf dem Spielplatz, beim Fußball. In einer Auslegung zu Kapitel 10 der Schöpfungsgeschichte sprach sie von den Richtlinien und Verbotstafeln in unserem Leben. Von den ungeschriebenen Gesetzen in der Gesellschaft. Und sie leitete daraus eine Ansage statt, die vielleicht der Kern für die Nachfolge Jesu heute und in aller Zeit ist: Wen Gott geschaffen hat, wer hier nach Leben hungert und wer hier Not leidet, den lasst nicht im Regen stehen!

Diese drei Jahre mit Annika Marte haben die Gemeinde bereichert. Danke, Annika! Was gewesen ist, hat seinen bleibenden Wert und wird weiterwirken. Und sei stets behütet an neuem Ort!