Dankbarkeit lässt Menschen glücklicher werden, sagen Vertreter der sogenannten Positiven Psychologie. Oder mindestens zufriedener. Einige Experten gehen sogar davon aus, dass sich eine dankbare Lebenseinstellung üben lässt,mit einem Dankbarkeitstagebuch beispielsweise oder mit einem Online-Programm inklusive "Dank-App".

Dankbarkeit lässt sich auch üben mit Ritualen wie dem Erntedankfest, das Christ*innen Anfang Oktober feiern. In der Bibel wird mehrfach davon berichtet, dass die Menschen schon vor über 2500 Jahren Gott für die erfolgreiche Ernte und all das, was es zu einem guten Leben braucht, dankten. Sukkot oder Laubhüttenfest ist das Erntefest der Juden, es soll vor allem ein Freudenfest sein und es wird bis heute gefeiert - zur selben Zeit wie unser Erntedankfest, 7 Tage lang.

Zu biblischen Zeiten lebten die Menschen in Agrargesellschaften. Bäuerliche Bilder und Zusammenhänge von Saat und Ernte bestimmten das Leben. Und es war für alle eindeutig: eine gute Ernte,also ernten können, was man sät, ist nicht selbstverständlich. Es liegt nicht allein in unserer Hand, ob das Gesäte aufgeht, wächst und gedeiht, wir es in Frieden ernten können und wir dann genug zu essen haben.
Ebenso eindeu
tig war es, dass zu einer guten Ernte dann der Dank an Gott gehörte, der Werden und Vergehen in der Hand hält.

In unserem heutigen Alltag, in dem in den Supermärkten alles (und zu jeder Jahreszeit) im Überfluss vorhanden ist, können Viele den Zusammenhang von Erntedank nur schwer nachempfinden:Die Mühe und Arbeit des Säens und der Pflege der Pflanzen, die Sorge um die Ernte, sowie die Zufriedenheit, wenn alles geerntet ist. Noch weniger ist für manche Menschen nachvollziehbar, für die Ernte und all das, was ich habe und besitze, für mein Auskommen, Gott zu danken.Nicht nur für (gutes) Essen, sondern für das,was mein Leben lebenswert macht. Menschen, die Mangel und Entbehrungen schon einmal erlebt haben, fällt es oft leichter, dankbar zu sein.

Das Erntedankfest schärft den Blick für die Dinge, von denen wir leben:Freundschaften und Liebe, das schöne Zuhause, für den Partner an der Seite, Familie, Gesundheit, die Schönheit der Natur, für die Kinder, Reisen, Musik,dafür, eine Arbeit zu haben und in Frieden zu leben und für soviel mehr.
Wenn ich weiß oder ahne, dass alles,was ich bin oder habe, nicht in erster Linie (und nicht nur) das Ergebnis meiner eigenen Anstrengung und meiner Leistung ist, sondern es auch als unverdienten Segen Gottes verstehe, dann werde ich dankbar - und etwas demütiger. Und ich versuche zu teilen und abzugeben.

Dass Dankbarkeit auch ganz persönlich auf jeden Menschen und seine Einstellung zum Leben wirkt, haben zwei US-Amerikaner schon vor mehr als 20 Jahren in einer grundlegenden Studie gezeigt: Mitglieder einer Versuchsgruppe sollten einige Wochen abends fünf Dinge notieren, für die sie dankbar waren. Ein zweiter Kreis schrieb über fünf Ärgernisse des Tages. Eine Kontrollgruppe notierte fünf wichtige Dinge, die an diesem Tag geschehen waren. Das Ergebnis: Die Teilnehmer der Dankbarkeitsgruppe zeigten sich optimistischer und zufriedener mit ihrem Leben.

Danken ist wichtig, es ist eine Geistes
haltung - und es macht glücklich! Und das Schöne ist, wir können jeden Tag damit beginnen, das Danken zu üben. Wie wäre es zum Beispiel, jeden Abend fünf Dinge zu notieren, die Sie glücklich machen und für die Sie dankbar sind? Oder am 4. Oktober im Erntedankgottesdienst in der Kirche den geschmückten Altar anzuschauen und Gott für all das Gute und Schöne in Ihrem Leben zu danken. Möge die Liste der Dinge, für die Sie dankbar sind, lang sein!

Ihre Pfarrerin Anja Harzke