Und ob ich schon wanderte im finstern Tal

Gebet zu Versen des 23. Psalms im April 2020

 

„Gott ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.“

Es ist, mein Gott, das muss ich sagen,

schwer zu glauben: „Mir wird nichts mangeln?“

Das betet sich ganz nett in guten Zeiten.

Doch jetzt sind wir im finstern Tal.

Wo’s dunkel ist und kalt.

Und du bist unser Hirte?

Und weidest uns auf grüner Aue?

 

     Siehst du, Gott, wie es uns geht?

     Wir haben Angst. Wir haben Sehnsucht.

     Der Spuk soll bald ein Ende haben.

     Wir wollen auf grünen Wiesen liegen.

     Dicht an dicht mit unseren Lieben.

     Ohne Angst und ohne Misstrauen.

     So hast du uns gemacht.

     Zu Menschen, die die Nähe brauchen.

     Körper, die Gemeinschaft suchen.

     Doch das Tal ist lang.

 

Bist du, mein Gott, denn wirklich da?

So wie die Alten vor Jahrtausenden gebetet haben.

In diesem Psalm, der mir vertraut ist. Von Kindheit an.

„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück. Denn du bist bei mir.“

Ich fürchte mich aber.

Siehst du das, Gott?

Die ganze Menschheit ist in Angst.

 

     Und doch, du Hirte, tröstet das.

     Diese Worte – so oft wiederholt.

     Sie malen ein Bild in mir. Hoffnung erblüht.

     Ich weiß nicht, wie.

     „Du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“.

     Sie lassen mich aufatmen.

     Meine  Lebendigkeit kehrt zurück.

     Mitten im finstern Tal.

     Das trägt mich, wenn ich Abstand ertragen muss.

     Das hilft mir, wenn ich Masken trage.

     Denn du siehst mich. Du siehst uns an.

     Voll Liebe und Güte bist du uns nahe.

     Und es gibt Zukunft.

Denn:

„Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.

Und ich werde bleiben im Hause Gottes immerdar.“

 

 

Doris Joachim, Referentin für Gottesdienst

© Zentrum Verkündigung der EKHN