Alte Menschen nicht als Belastung, sondern als Bereicherung zu empfinden - das ist die Botschaft der diesjährigen Woche für das Leben, die jetzt im Mainzer Dom eröffnet worden ist. Im Alter werde Verletzlichkeit in besonderem Maße erfahren, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Dazu gehören körperliche Einschränkungen, Krankheiten, Pflegebedarf, Angewiesenheit auf andere. Dies alles anzunehmen, sei eine wichtige Aufgabe im hohen Alter. Zugleich aber gebe es auch neue Freiheiten, Erfahrungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Als Beispiel nannte Bedford-Strohm Johann Sebastian Bach, der im hohen Alter noch die Kunst der Fuge und die h-Moll-Messe komponiert habe.

Der EKD-Ratsvorsitzende wandte sich gegen die verbreitete Vorstellung, dass alte Menschen in Heime abgeschoben würden, dort isoliert seien. Aus persönlichem Erfahren sprach er von seinem Vater, der gerade im Alter von 86 Jahren gestorben und zuvor von einem irakischen Pfleger mit besonderer Liebe begleitet worden sei.

Menschen auch in der Demenz anzunehmen, ihren liebenden Blick wahrzunehmen, auch wenn dieser nicht mehr alles erkennt, dazu rief auch der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, auf. Der Blick auf den Tod könne kreative Kräfte freisetzen und Gelassenheit schenken, dieser Schwelle entgegenzugehen.

Die Begegnung mit den alten Menschen sei in den Gemeinden ganz stark verankert und gehöre zum Kern des kirchlichen Handelns, sagte Bedford-Strohm. Ein Ziel der Woche für das Leben sei es, die Erfahrung neu zu entdecken, "welch große Ressource Menschen mit hohem Alter sind, weil sie ganz bewegende Dinge erzählen können".

Ein Ort dafür waren in der Dornbuschgemeinde bis zum vergangenen Jahr auch die Gottesdienste mit den alten Menschen am Grünhof. Annika Marte brachte dort Konfirmandinnen und Konfirmanden mit den Hochbetagten zusammen, machte im Singen wie im Abendmahl die Freude am Lebendigsein und ihrer spirituellen Tiefe erfahrbar.