Manche Bilder lassen sich weder aushalten noch zeigen. So ein Bild ist das des dreijährigen Aylan, der heute tot an einem Strand nahe der türkischen Stadt Bodrum gefunden wurde, ertrunken auf der Flucht von Syrien nach Europa. Er hätte bei uns Aufnahme finden können, in unserem reichen Land, in Frankfurt, am Dornbusch. Er ist einer von mindestens zwölf Menschen, die auf der Überfahrt zur griechischen Insel Kos tödlich verunglückt sind. Das Foto von dem kleinen Jungen in einem roten T-Shirt und einer kurzen blauen Hose, mit dem Gesicht zum Boden, zum Meer, ist in Sozialen Netzwerken tausende Male verbreitet worden. Die meisten deutschsprachigen Medien haben es nicht gezeigt, weil es zu schrecklich ist. Die Nachrichtenagentur Reuters leitete ihren Bericht über das Foto mit dem Hinweis ein: "Warning: this article contains images that readers may find distressing" (Warnung: Dieser Artikel enthält Fotos, die Leser verstörend finden könnten). Zeigen oder Nichtzeigen macht kaum einen Unterschied. Denn wegsehen und vorbeisehen sind nicht mehr möglich. Immer offensichtlicher wird in diesen Monaten und Wochen, dass Grenzen töten. Dass unsere Abschottung heute einem kleinen Jungen das Leben genommen hat. Wie zahllosen anderen Menschen ebenso. Wir könnten die Einreise für flüchtende Menschen zumindest aus Syrien frei geben, anstatt weiter ein Visum zu verlangen und damit die Menschen in Not auf lebensgefährliche Wege zu zwingen. Dass wir es es trotzdem nicht tun, ist schwer auszuhalten.